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Aktueller Tipp

Weintipp No. 61

21.02.2017

Die Ortenau - das Herz von Baden

Die berühmte Weinregion Baden reicht über nahezu 400 km. Das Herzstück bildet dabei die Ortenau – zwischen Ettenheim und Baden-Baden gelegen. Letztere Stadt ist seit 15 Jahren meine Wahlheimat – und sie ist einfach traumhaft schön! Ich liebe die Lichtentaler Allee mit ihren wunderschönen Blumenanlagen. Kinder sind mit Rollern unterwegs oder lassen Drachen steigen, die mittlere Generation geht joggen, während die Älteren flanieren, Hunde werden Gassi geführt… – ein wirklicher Treffpunkt für Jung und Alt. Richtige Juwelen sind das auch international geschätzte Festspielhaus, das Burda Museum oder das älteste Spielcasino Deutschlands. Oder auch die herrlichen Thermen – Caracalla oder Friedrichsbad. Überbleibsel aus der Römerzeit sind inbegriffen – so haben Sie noch einen kulturellen Punkt abgearbeitet. Anschließend laden natürlich die ausgezeichneten Restaurants ein. Dort können Sie dann auch einen echt Baden- Badener Wein vom Jagdhaus Hubertus trinken. Heinz J. Knapp baut unter anderem einen ganz wunderbaren leichten Rosé aus, der schon sehr an die Weine aus der Provence erinnert. Bevor Heinz J. Knapp sich der Baden-Badener Weinberge annahm, die er jetzt mit Riesling, Sauvignon Blanc und Grünem Veltliner bestockt hat, gründete er Mitte der 80er Jahre das Weingut L’Arnaude in der Provence. Im nächsten Jahr soll ein neuer Keller folgen und sehnsüchtig wird erwartet, wann die Neubestockungen zum Tragen kommen.

Aber auch sonst gibt es jede Menge neues aus der Region zu berichten. Das Weingut Kopp in Sinzheim hat Sohn Johannes mit großem Erfolg übernommen. Sein Chardonnay „S“  und Spätburgunder Klosterbergfelsen Reserve wurde schon mit den höchsten Meriten bedacht. Gerade im Winter sind die Burgunderrebsorten unschlagbar gut. Mit ihrem Schmelz und ihrer runden, geschmeidigen Art passen sie perfekt zu allen Sahne – und Buttersaucen. Speziell der Chardonnay neigt ja bekanntlich zu weniger Säure und einem etwas höheren Alkoholgehalt, sodass er schon opulenter wirkt. Mich erinnert er immer an eine üppig gebaute Frau – so wie sie Rubens gemalt hätte.
 
Richtig spannend sind auch gerade die vier Rieslinge aus dem ganz neu gegründeten „Boutique-Weingut Sven Nieger in Varnhalt“. Der junge Diplomingenieur sammelte unter anderem Erfahrungen in Neuseeland, Österreich und in der Pfalz, bevor er im vergangenen Jahr den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit wagte. „Neue Schätze aus Baden“ lautet sein Motto und mit seinem Logo und öffentlichen Auftritt sorgt er schon für Furore. Über Twitter und Facebook werden Sie immer über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufendenden gehalten, oder Sie können sich natürlich auch selber am Geschehen beteiligen. Für mutig halte ich auch seine Preisgestaltung: der Einstiegsriesling für 10.- €, Riesling Stich den Buben 15.- €, Klosterberg 20.-€ und Mauerberg – na? Klaro 25.- € - das ist konsequent! Letzterer wurde auch ganz aktuell im Weinmagazin mit 95 von möglichen 100 Punkten bewertet. Wow – ein grandioser Start! Aus meiner Sicht profitiert eine Region davon, wenn ein frischer Wind weht.

Apropos – Veränderungen gibt es in der Region ganz ordentlich: Das ebenfalls noch relativ junge Weingut Schloss Eberstein hat den Besitzer gewechselt. 2002 fing Jörg Overlack an, mit viel Liebe und Akribie den historischen Weinberg wieder neu zu bestocken – und trotz junger Rebanlagen konnte sich das Ergebnis schnell zeigen lassen! Vom wunderbaren frischen Rieslingsekt über Riesling, Weißer Burgunder , Sauvignon Blanc zum Spätburgunder  - die Weine bestechen mit ihrer so klaren Art und Brillanz. Am besten lassen sie sich die Weine natürlich im zauberhaften Ambiente des Schlosses und zur Gourmetküche von Bernd Werner genießen. Zu den Highlights gehört im Herbst das Fest im Weinberg, da wird dann schon mal ein ganzes Weidelamm am Grill gedreht. Damit es auch in den nächsten Jahren dynamisch weitergeht, haben Jürgen Decker, ehemals Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Kappelrodeck und Ernst Möschle – Unternehmer für Edelstahlbehälter (natürlich auch für die Weinbereitung) das Weingut übernommen.

Schlössertour
Ähnlich verhält es sich im Schloss Neuweier: 2012 wurde das Weingut von der Familie Schätzle übernommen. Die Geschicke der extremen Steillagen liegen in den Händen des Diplomingenieurs Robert Schätzle, der zuvor im Weingut Franz Keller und Weingut Dr. Heger sein Geschick unter Beweis gestellt hat. Auch hier haben die Vorgänger Familie Joos aus Frankfurt enorm viel renoviert – und vor allem investiert! Von Grund auf wurde das ehemalige Wasserschloss  aus dem 13. Jahrhundert restauriert. Richtigen Kult in den englisch sprachigen Ländern genießt ihr Jagdzimmer, welches zur Weltausstellung 1889 in Paris präsentiert wurde - oder ihre 6000 alten Bücher, die ausschauen als hätten sie im Film „der Name der Rose“ mitgespielt.
Gleich hinterm Schloss liegen wie bei einer Filmkulisse die Rieslinghänge. Extrem steil, so dass sie sich einer Monoradbahn bedienen, um die Rebstöcke pflegen zu können. Auch hier gilt: am besten trinken Sie die vorzüglichen Rieslinge im Ambiente des Schlossrestaurants mit der mediterranen Küche von Armin Röttele. Zuletzt sind auch noch ein paar Gästezimmer hinzugekommen.

Nicht weit vom Schloss Neuweier finden Sie Weine mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis: Weingut Dütsch. Holger Dütsch gründete 2004 mit seiner Frau sein eigenes Weingut. Seine große Passion sind ebenfalls die Rieslinge, die sich dann auch „Finesse“ nennen. Neben dem typischen Spätburgunder baut er auch spannenderweise Lemberger aus. Wie in Österreich bezeichnet er ihn als Blaufränkisch. Nur schade, dass der Lemberger noch immer so verkannt wird. Dabei strotzt er schon mit seiner dunklen Farbe, duftet nach dunklen Beeren und Pfeffer und wirkt so richtig kraftvoll – ganz wie man sich einen Kaminrotwein vorstellt.

Ballerina
Wenn es um Rotwein geht, darf ich Ihnen ein Weingut natürlich nicht vorenthalten: das Weingut Jacob Duijn im Bühlertal. Der gebürtige Holländer lebt ganz und gar für seine Spätburgunder. Als Autodiktat (na ja – so ganz ohne Vorkenntnisse war nicht, schließlich arbeitete er als Sommelier im Schloßhotel Bühlerhöhe und war später als Geschäftsführer bei einer alteingesessenen Weinhandelsfirma lange tätig) begann er mit seinem Weingut, dass nur auf Spätburgunder spezialisiert ist. Seit einigen Jahren befasst er sich intensiv mit der biologisch-dynamischen Arbeitsweise. Die Weinpreise wirken stolz, allerdings sind die roten Tropfen den Weinen aus dem Burgund auch ebenbürtig. Sie sind an Finesse und mit ihrer grazilen Art kaum zu übertreffen. Geschliffen, nicht vordergründig fruchtig, eher ein Wein den man sich erarbeiten muss. Bei Spätburgunder kommt bei mir immer die Assoziation zu einer Ballerina  - wie Marcia Haydée auf.

Eigentlich lässt sich noch von ganz vielen Weinen aus der Region berichten, aber am besten planen Sie demnächst ein Wochenende in Baden-Baden ein. Und nicht zu vergessen: es lässt sich dort auch ganz wunderbar shoppen….


Restaurantempfehlungen:

Le Jardin de France
-  französisches Feinschmeckerrestaurant inmitten Baden-Baden. Sensationelles Mittagsmenü!

Rizzi – mitten auf dem Augustaplatz sitzen Sie in coolen Loungemobilar. Küche sehr innovativ und kreativ.

Leos – kultiger Treffpunkt mit feiner Bistroküche

Badischer Winzerkeller – gehört zu den klassischen Lokalitäten – badisch – gemütlich

Schloß Eberstein – Bernd Werner bietet sowohl eine gemütliche Ausflugslokalität wie auch ein Gourmetrestaurant

Schloß Neuweier – Armin Röttele kochte einige Jahre im Tessin. Entsprechend mediterran präsentieren sich seine Gerichte