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Weintipp No.23

29.11.2011

Auxerrois

Ist Ihnen Auxerrois schon mal untergekommen? Die weiße Burgunderrebsorte gleicht etwas dem Weissburgunder, sie wirkt aber noch etwas verspielter und tänzerischer – wie eine Ballerina. Ich habe gerade die Erfahrung gemacht, dass wirklich fast ein jeder, der Auxerrois probiert hat, ganz begeistert – zum teil ganz euphorisch reagiert. Zu meinen Lieblingen gehört seit vielen Jahren der (2010er) Auxerrois Kabinett trocken, Weingut Stadt Lahr – Familie Wöhrle. Er hat so ein wunderbares Spiel von Birnenfrucht, floralen Aromen, einer gewissen Salzigkeit – die ihm einen ganz besonderen Charakter verleiht und diesen Burgunderschmelz. Auch im Gaumen spüren Sie sowohl Frucht wie auch markantere würzigere Aromen.

Die ökologisch arbeitende Familie macht schon immer sehr spannende, ausdrucksstarke und sehr bekömmliche Weine. So verhält es sich auch mit ihrem 2010er Grauburgunder Kabinett trocken. Während die Grauen Burgunder oft recht rustikal und schwer daher kommen, zeigen Wöhrles, wie viel Eleganz auch ein Grauburgunder bringen kann. Der Kabinett leuchtet in gelb-gold mit grünen Reflexen, und sein Duft wirkt kernig, an Nüsse, Mandeln und Feigen erinnernd. Dann kommen Kräuter wie Salbei und Kerbel hinzu. Im Gaumen hält ihn eine feine Säure schlank, und er macht Appetit mit seiner pikanten und würzigen Art. Zu Pilzgerichten kann ich mir keinen besseren Begleiter vorstellen.

Um das Burgundererlebnis richtig rund zu machen, müssen Sie auch noch den 2010er Lahrer Kronenbühl Weissburgunder trocken probieren und natürlich trinken! Er entspricht einer Spätlese Qualität – will heißen noch kraftvoller, intensiver und länger…Er schimmert ebenfalls in einem gelb-gold mit grünen Reflexen und zeigt Mineralität, intensive florale Aromen und ein Hauch an Quitten erinnernd. Im Mund ist er so intensiv, tiefgründig und lang anhaltend – fast wie eine Explosion. Wenn Sie ein kräftigeres Essen zum Beispiel auch mit Sahnesauce haben, da unterstreicht der Wein regelrecht das Essen.

Ich habe ja lange überlegt, ob ich meinen Geheimtipp wirklich so preisgeben soll. Die Familie Wöhrle – im Übrigen auch Mitglied im VDP (Verband der Deutschen Prädikatsweingüter) - gehört eher zu der stilleren Fraktion. Hans Wöhrle und Sohn Markus arbeiten seit rund zehn Jahren in bester Weise Hand in Hand. Markus hat in Geisenheim studiert und wertvolle Erfahrungen bei Hans –Günther Schwarz gesammelt, welcher in der Weinwelt als der Kellermeister überhaupt gehandelt wird.

Einzig der Name „Weingut Stadt Lahr“ irritiert vielleicht ein bissl. Schon 1979 haben sie fusioniert und privatisiert. Sie könnten ruhig mit Selbstbewusstsein in der Zukunft nur noch „Familie Wöhrle“ aufs Etikett schreiben.

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