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Weintipp No.24

14.12.2011

Bordeaux

Beim Bordeauxwein scheiden sich gerade wirklich die Geister. Während die älteren Herren eher in Ehrfurcht versinken, belächelt der eine oder andere jüngere Weinliebhaber schon auch mal die Grande Nation. Also nicht alles was Gold ist – glänzt auch. Um es auf den Punkt zu bringen: selbstverständlich gibt es große und sehr haltbare und unglaublich tolle Bordeauxweine! Da nun aber allein die Bordelaiser Weinregion um etwa ein Viertel größer ist als Deutschlands gesamte Rebflächen, gibt es dort natürlich auch ganz unterschiedliche Qualitäten...
Dass bei den ganz berühmten Châteaux das Trinkvergnügen für den normalen Erdenbürger fast ausgeschlossen ist, liegt an den exorbitanten Preisen. Für eine Flasche 1er Cru wie Château Lafite-Rotschild oder Château Mouton-Rothschild zahlen Sie heute meist weit über 500.- €. Erfreulicherweise gibt es allerdings auch noch die andere Fraktion: gut und bezahlbar. Mein lieber Kollege und Sommelierweltmeister Markus del Monego macht sich jedes Jahr auf die Suche nach solchen Weinen. In Zusammenarbeit mit dem Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux stellt er dabei jedes Jahr 100 Bordeauxweine für jeden Anlass zusammen.
Ein solcher ist beispielweise der 2006er Château Paloumey Cru Bourgeois aus dem Haut-Médoc. Der ist schon ein Hammer – und ich finde den Stil schon sehr modern. Dichtes dunkles Rot, er duftet nach Eukalyptus, sehr kräuterig, an Lakritz erinnernd – einfach sehr präsent. Im Gaumen zeigt er eher dunkle Aromen, wie von Amarenakirschen und Schokolade, reife Tannine geben ihm das Rückgrat. Während die klassischen Bordeaux früher ja mehr von der Eleganz lebten, ist dieser schon ein bisschen an den Neue Welt- Weinen orientiert. Auf alle Fälle können Sie mit diesem Wein jedem Weingenießer viel Freude machen – er ist schon sehr charmant! So stelle ich mir auch im Winter einen Wein für den offenen Kamin vor.      
Die Cru Bourgeois – eine Klassifizierung von 1932 – haben ja eine heiße Zeit hinter sich. Die 444 benannten Cru Bourgeois Weingüter drängten auf eine Überarbeitung. Dabei kamen dann 2003 nur noch 247 in den ausgewiesenen Satus, was natürlich mit großer Empörung aufgenommen wurde! Kurzerhand wurde die ganze Arbeit wieder annulliert, hi, hi…  
Empfehlen kann ich Ihnen in Frankreich nach den sogenannten Gîtes oder Chambres d’Hotes zu schauen. Da wohnen Sie privat – ähnlich dem „bed and breakfast“-    und oftmals sogar  auch direkt auf einem Weingut. Fragen Sie  am besten beim Tourismusverein oder schauen sie im Internet nach!

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