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Weintipp No. 56

01.12.2015

Ein prickelndes Vergnügen

Ein Hoch auf den König aller Weine.

Schon seit vielen Jahren höre ich immer wieder, dass Weine nach dem Transport erst wieder zu Ruhe kommen sollten. Das konnte ich persönlich beim Wein noch nicht feststellen. Beim Sekt allerdings schon. Wenn die Flaschen kräftig durchgeschüttelt wurden, wollen die Süße und die Säure oft nicht mehr recht zusammenspielen. Ideal ist es, wenn Schaumweine nach dem Einkauf vier Wochen ruhen können. Das Weihnachtsfest oder gar Silvester ohne Sekt – das geht aus meiner Sicht überhaupt nicht! Deshalb: Jetzt schon an den Einkauf denken.

Verdiente Verdienstmedaille

Besonders freut es mich, dass es heute nicht mehr der klassische französische Champagner sein muss, wenn es besonders festlich zugehen soll. Denn Genuss der Extraklasse, den bekommen wir im Ländle zweifelsohne genauso gut hin! Nicht umsonst sind wir so stolz auf die Kessler Sekt GmbH & Co. KG in Esslingen, die älteste Sektkellerei Deutschlands.

Als im Jahr 1807 der Heilbronner Georg Christian von Kessler bei dem Champagnerhaus Veuve Clicqout als Buchhalter begann, ging es mit seiner Karriere zügig voran. Er wurde schließlich sogar Teilhaber der berühmten Champagnerkellerei mit der Option, das Unternehmen vollständig zu übernehmen. Doch es kam anders. Kessler kehrte nach Württemberg zurück und gründete im Jahr 1826 in Esslingen die erste Sektkellerei. König Wilhelm I. von Württemberg ließ es sich nicht nehmen, Kessler mit der „Großen Württembergischen landwirtschaftliche Verdienstmedaille“ auszuzeichnen. Denn Sekt galt zu dieser Zeit schon als außerordentliches Luxusgetränk.Oft kopiert und flott besteuert.

Bald entstanden in Deutschland noch andere Sektkellereien nach dem Esslinger Vorbild, etwa Deinhard in Koblenz, Rotkäppchen in Freyburg an der Unstrut, Henkell & Cie. in Mainz sowie Söhnlein in Wiesbaden. Übrigens begann umgekehrt der große Erfolg der Champagner in der Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls mit einer Gruppe junger Deutscher, wie Joseph Jacob Bollinger (1803-1884), der aus Ellwangen stammte, dem Aachener Wilhelm Deutz (1809-1884), und den Brüdern Gottlieb, Jacobus und Philipp Mumm, die im Jahr 1827 im französischen Reims die Champagnerkellerei P. A. Mumm gründeten.

Die Begeisterung der Deutschen für den Sekt machte sich auch Kaiser Wilhelm der II. zu Nutze – er führte im Jahr 1902 die „Sektsteuer“ ein, um seine Flotte zu finanzieren. Wie es mit den Steuern so ist, sie erweisen sich als sehr haltbar. Noch heute wird bei jeder gekauften Flasche Schaumwein in Deutschland 1,02 Euro Sektsteuer an den Staat abgeführt. Entsprechend mehr sind es bei einer Magnum-Flasche. Da werden 2,04 Euro fällig. Das lohnt sich. Denn bis heute sind die Deutschen die absoluten Weltmeister im Konsum von Schaumweinen! In keinem anderen Land wird das prickelnde Getränk mehr geschätzt als bei uns!

Bis in die 1970er-Jahre gab es übrigens ein staatliches Sektmonopol, sodass es nur bestimmten Kellereien vorbehalten war, Sekt zu produzieren. Seit der Rechtsänderung haben die Winzergenossenschaften und Weingüter die Möglichkeit, Winzersekte anzubieten. Welch eine Errungenschaft! Denn all die herrlichen Winzersekte bieten eine schier unerschöpfliche Auswahl. Winzersekte werden überwiegend rebsortenrein angeboten. Es gibt auch „Pinotsekte“, die aus Burgunderrebsorten wie beispielsweise Weiß-, Grau- oder Spätburgunder, aus Schwarzriesling (frz.„Pinot Meunier“) oder aus Chardonnay gewonnen werden und teilweise als Cuvée angeboten werden. Auf die Schönheit!

Wer es gerne spritzig und frisch mag, greift am besten zu einem Rieslingsekt, etwas runder munden die Pinotsekte während die Traminer oder Muskatellersekte ein reicheres Bukett bieten. Auch Spezialitäten wie Nobling, Kerner und Lemberger sind spannend und etwas Besonderes! Immer beliebter werden vor allem die Rosésekte, insbesondere bei den Damen. Apropos – ich glaube ja, dass Frauen häufiger Sekt trinken als Männer. Ist es bei Ihnen zu Hause denn nicht genauso? Madame de Pompadour, die berühmte Mätresse des französischen Königs Ludwig der XV, soll einmal gesagt haben: „Champagner ist das einzige Getränk, dass die Frauen schöner macht, je mehr sie davon trinken.“ Gleiches lässt sich bestimmt für unsere Winzersekte sagen.

Wenn Sie demnächst einmal wieder zu einem Weingut oder einer Weingärtnergenossenschaft kommen, starten Sie Ihre Weinprobe mit einem Glas Sekt. Sie werden überrascht sein, welche Auswahl die Winzer zu bieten haben – und dabei sind Winzersekte auch noch viel günstiger als Champagner. Na, wenn das kein Grund zum Feiern ist!

 

 

 

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