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Weintipp No. 46

20.01.2014

Genießen mit Freunden

Wenn Sie schon so toll für Ihre Freunde kochen, dann wird die Stimmung mit dem passenden Wein nochmal so gut! Aus Erfahrung heraus trinkt man in Gesellschaft eher ein Gläschen mehr, also muss der Wein sehr bekömmlich sein – am liebsten nicht so viel Alkohol besitzen, und vielleicht auch nicht ganz so teuer ausfallen.
Ein wirklicher Geheimtipp ist das kleine Familienweingut Eberhard Klein in Walheim. Die terrassierten Steillagen direkt am Neckar und an der Enz gelegen, verlangen einen großen Aufwand. Dass hier Handarbeit angesagt ist, versteht sich von selber. Leider gibt es in der landschaftlich so wunderschönen Ecke nicht so viele Weingüter. Eberhard Klein hatte seine Trauben bis 1998 an die örtliche Winzergenossenschaft abgeliefert, was ja in Baden-Württemberg noch sehr typisch ist. Als seine Vorstellungen von den Qualtäten seiner Weine sich immer klarer herauskristallisierten, wagte er mit seiner Familie den Schritt in die Selbstständigkeit. Ich bin sehr froh darüber! Probieren Sie nur mal den 2012er Riesling Kabinett trocken „aus Steillagen“ (ab 30 % Hangneigung wird von einer Steillage gesprochen!). Er kommt so geradlinig, sauber und frisch daher – mit einem wunderbar floralen Duft, auch etwas an frisch geriebene Muskatnuss erinnernd. Genauso blumig und erfrischend trinkt er sich auch – und er macht wirklich Appetit zum weitertrinken…
Als eine tolle Bereicherung empfinde ich die österreichische Rebsorte Zweigelt. Er leuchtet in kraftvollem Himbeerrot und duftet enorm fruchtig. Neben dem typischen Duft wie von Weichselkirschen, erinnert der Wein auch an frische Himbeeren und Kokos. Auch hier behält er am Gaumen die wunderbare Fruchtigkeit, und im Nachhall bleiben noch lange die Weichselkirschen. Zu meinen absoluten Lieblingsrebsorten gehört seit einigen Jahren der Lemberger. Es ist nur so schade, dass er noch oft verkannt wird, weil er in Deutschland noch recht unbekannt ist. Selbst in Württemberg, wo 95 % der deutschen Lemberger wachsen wird er noch unterschätzt. Letzteres liegt an der schwäbischen Spezialität „Tl“ Trollinger / Lemberger – so ließ er sich früher in größerer Menge trinken. Aber wenn der Lemberger mit Sorgfalt ausgebaut ist, steht er schon tiefdunkel im Glas, und sein Duft betört nicht nur mit seinen beerigen Aromen, sondern auch mit seiner feinen Würze, wie weißer Pfeffer und etwas Sandelholz. Am Gaumen präsentiert er sich vollmundig und charaktervoll. Der 2012er Lemberger von Klein wirkt dabei auch noch sehr elegant, was auf die Muschelkalkböden zurückzuführen ist. In aller Regel wachsen die Lemberger auf Keuperböden, die ihnen vor allem viel Kraft und Würze verleihen.
Am besten öffnen Sie gleich noch eine Flasche – die Region braucht Ihre Unterstützung, ansonsten will sich in der näheren Zukunft keiner mehr die Arbeit mit den Steillagen machen. Es wäre nicht auszudenken, wenn uns die eindrucksvolle Terrassenlandschaft verloren ginge.

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