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Weintipp No.21

30.04.2011

Steinwein mit Kultstatus

Auf der ganzen Welt kennt man den „Steinwein“! Gemeint ist damit natürlich die Lage Würzburger Stein, direkt über der Stadt Würzburg gelegen. In früheren Zeiten gab es schon sehr berühmte Liebhaber dieser Lage: Richard Wagner, Kurt Tucholsky und Goethe. Der berühmte Bildhauer Tilman Riemenschneider besaß im „Stein“ sogar selber Reben. Kenner sprechen beim Würzburger Stein von der „Krone des Weinbaus“. Die sichelförmige Hanglage schützt den Weinberg vor Winden, die Stadt gibt Wärme und der Main sorgt für Ausgeglichenheit. Im Ergebnis macht dies ein einmaliges Mikroklima aus.
In Würzburg ist noch eine Besonderheit anzumerken: die drei Spitäler. In Wirklichkeit sind es nur zwei – das Juliusspital und das Bürgerspital. Beide widmen sich nicht nur seit Jahrhunderten dem Weinbau, sondern sondern führen seit jeher ihre Erlöse den sozialen Aufgaben ihrer Stiftungen zu. Allen voran sind hier die Kranken– und Altenpflege zu nennen. Nun kommen wir zum Dritten – dem Staatlichen Hofkeller, der 1128 gegründet wurde, und der danmit zu den ältesten Weingütern in Deutschland zählt. Als 1719 der Fürstbischof Johann Philipp Franz von Schönborn den Auftrag gab, eine neue Residenz zu errichten, vergaß er auch den Weinkeller nicht. Balthasar Neumann gelang hier eine architektonische Meisterleitung! Unter beeindruckendem Kreuzgewölbe können 360 Personen an einer Tafel Platz nehmen.
Für mich ist es ja eine besondere Faszination, dass drei so außerordentlich gute und auch große Weingüter auf einem Flecken (Würzburg) sind! Alle drei können sie auf jahrhundertealte Traditionen zurückschauen, sind aber gleichzeitig sehr innovativ und haben ihre Keller alle modernisiert.
Jetzt aber zu den Weinen: Der 2008er Würzburger Stein-Harfe Riesling Kabinett trocken vom Bürgerspital zum Hl. Geist ist mit 11 % der leichteste in der Runde. Während der Riesling in Franken nur eine untergeordnete Rolle spielt, macht er beim Bürgerspital rund 30 % aus. Der Riesling wirkt so jung noch etwas hefig, entwickelt aber schnell eine sehr elegante Frucht, wie an Pfirsiche, Melonen und etwas Honig erinnernd. Im Gaumen erfrischt er mit seiner kernigen, herzhaften und so sauberen Art. Für mich ein wunderbar klassischer Frankenwein.
Ein regelrechter Bilderbuch Weissburgunder ist der 2008er Würzburger Stein Weissburgunder Kabinett trocken vom Staatlichen Hofkeller. Der in hellem Gold strahlende Wein zeigt im Duft schon ein faszinierendes Spiel zwischen gelbfleischiger Frucht, an Mirabelle und Pampelmusen erinnernd und frischen Kräutern - wie Koriander. Im Gaumen verfügt er über eine perfekte Balance und bleibt so kräuterig.

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