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Weintipp No. 58

23.04.2016

Wein & Schokolade

Man mag es ja kaum glauben – aber jahrzehntelang wurde den Sommeliers gepredigt, dass Wein und Schokolade auf keinen Fall miteinander harmonieren! Die große Ausnahme war dabei schon immer der rote Dessertwein Banyuls aus Südfrankreich. Dieser Wein aus dem Roussillon riecht und schmeckt schon wie flüssige Schokolade. Wenn Sie dann auch noch einen lauwarmen Schokoladenkuchen dazu probieren, werden Sie ganz begeistert sein.
Mich wollte das nie so richtig überzeugen; und so habe ich erst angefangen, zu Schokoladendesserts Ruländer Beerenauslesen oder Trockenbeerenauslesen zu reichen. Im Übrigen passen rote Portweine auch ganz exzellent dazu. Diese können Sie heute in kleinen 0,375 l Flaschen kaufen. Wenn die einmal geöffnet ist, sollten Sie diese schon in den nächsten Wochen auch trinken, es wäre nämlich schade, wenn der Wein oxidiert (das riecht und schmeckt dann ein bissl’ wie Pflaumenmus). Im Winter eignet sich so ein Glas Port auch herrlich als Aperitif – vielleicht haben Sie sogar einen offenen Kamin?
Entschuldigen Sie, jetzt bin ich ja ganz weggekommen von der Schokolade! Die ersten Kombinationen hatte ich mit einem Koch zusammen gezaubert. Er hatte tolle Gerichte mit etwas Schokolade zubereitet, und das war richtig klasse zum Wein: - Rehrücken in dunkler Schokoladensauce und dazu einen Merlot. In den letzten Jahren kam ja dann immer mehr das Thema „Wein & Schokolade“ auf. Dazu muss natürlich gesagt werden, dass zu dieser Zeit auch die hochwertigen Schokoladen in Deutschland den Markt erobert haben. Wenn Sie eine der populären Industrieschokoladen nehmen, sind diese allerdings meist nicht unbedingt zum Wein gedacht. Vollmilchschokoladen und besonders solche mit viel Zucker passen besser pur oder zum Kaffee oder zur warmen Milch.
Die hochwertigen Schokoladen bringen dagegen oft einen höheren Kakaoanteil mit und entsprechend weniger Zucker. Da ich die dunklen Schokoladen vorziehe, habe ich auch schnell herausgefunden, dass Rotweine im Barrique gereift, besonders gut dazu passen. Bei Weißweinen und Schokoladen war ich ehrlich gesagt ziemlich skeptisch. Umso mehr hat mich vor Jahren Eberhard Schell von der gleichnamigen Schokoladenmanufaktur in Gundelsheim überrascht und überzeugt! Er kreierte sogar eigens für Riesling die passende Schokolade – eine Milchschokolade mit Orangen- und Zitronenzesten, sowie grobem Meersalz, was wiederum die Mineralität im Wein aufnimmt. Oder zu Grauen Burgundern gehen gerade Schokoladen mit Nüssen ganz hervorragend.
Weiße Schokoladen - habe ich festgestellt - harmonieren super mit edelsüßen Weinen.
Mittlerweile bin ich zu einem der größten Fans von Wein & Schokoladen mutiert. Unvergesslich wird mir immer bleiben, wie ich nachts von einer Veranstaltung nach Hause kam. Meine Schwägerin Erika war zu Besuch und saß noch mit meinem Mann in der Küche. Da wollte ich einmal die Probe aufs Exempel starten: ich hatte eine dunkle Schokolade mit frischen Thymian und dazu den für mich absolut passenden Rotwein aus dem Languedoc. Dazu muss festgehalten werden, wir alle drei essen ganz selten Schokolade, und wir trinken eher Weißwein. Sie werden es nicht glauben – die Schokolade war in ungefähr drei Minuten aufgeputzt und der Wein war zehn Minuten später auch leer. Es war einfach in dieser Kombination ein gigantisch harmonisches Geschmackserlebnis – etwa so wie ein Blumenstrauß in den passenden Farben -, sodass man immer wieder noch einen Schluck Wein, noch ein Stück Schokolade nehmen musste! Selten habe ich erlebt, dass eine Schokolade den Wein wirklich noch um drei Etagen nach oben katapultiert.
Seither suche ich immer wieder nach neuen ebenso tollen Kombinationen – und immer wieder mit großem Erfolg!
Ich kann Ihnen auch versichern, dass ich seither trotzdem noch nicht zugenommen habe. Gerade bei den dunklen Schokoladen reichen ja schon  kleine Mengen aus, um einen schnellen Sättigungsgrad zu erreichen. Wenn ich Seminare zu Wein und Schokolade gebe, merke ich jedes Mal, dass das Weinglas in einer solchen Verbindung viel schneller ausgetrunken wird. Dazwischen machen wir manchmal eine Gulaschsuppe zur Stärkung…


Der lateinische Name Theobroma cacao – übersetzt der Kakaobaum- bedeutet „Speise der Götter“.
Bei den Römern und Griechen galt der Wein als göttlich! Daher wurden auch bei den Griechen Dionysos, beziehungsweise Bacchus bei den Römern als Gott des Weines verehrt.

Wie der Wein enthält auch die Schokolade Polyphenole. Diese Antioxidanzien gelten als sehr gesund, sie schützen vor allem vor Zellschädigungen, und sie wirken entzündungshemmend. Zudem muss man auch die positiven Effekte der Omega-3- Fettsäuren erwähnen, welche das schlechte LDL- Cholesterin senken und das gute HDL- Cholesterin unterstützen. Diese stammen aus der Kakaobohne, und sie sind deshalb besonders stark in den dunklen Schokoladensorten vertreten.
Weithin ist ja zweifellos auch bekannt, dass Schokolade glücklich macht! Schokolade enthält nämlich die Aminosäure Tryptophan, aus der Serotonin gebildet wird – das Glückshormon. Und dass ein Gläschen Wein sehr entspannend wirken kann, brauche ich Ihnen gar nicht erst zu erzählen; also ran die Schokolade und an den Wein…


Buchtipp:

Kochen mit Schokolade
von Eberhard Schell, Fotos Michael Meisen und Weinempfehlungen von Natalie Lumpp
100 verführerisch-herzhafte Rezepte
ISBN 978-3-86244-262-1
Christian Verlag GmbH
19,99 €

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