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Weintipp No. 47

13.03.2014

Weinfreaks

An den fränkischen Weinen begeistert mich immer wieder, dass sie so eine ganz eigene Stilistik haben! Die „Trias Böden“ – Keuper, Bundsandstein und Muschelkalk verleihen den Weinen immer einen speziellen floralen Charakter, die Säure im Wein wirkt eher basisch (also nicht so knackig-spitz) und das Terroir – der Boden ist besonders schmeckbar. Eine Zeitlang entsprach es nicht dem „mainstream“ Geschmack, aber heute wissen es die Weingenießer wieder umso mehr zu schätzen.   
Ein super Beispiel für den beschriebenen Weinstil ist der 2012er Weissburgunder Kabinett trocken aus dem Weingut Max Müller I. in Volkach – der in kräftigem Gold-gelb leuchtende Wein zeigt schon den typischen floralen Duft und den markanten – mineralischen Terroir Charakter. Je länger der Wein im Glas ist, desto mehr duftet er nach Orangenblüten. Am Gaumen hat er eine so klare Struktur, erinnert an Veilchen, er trinkt sich saftig  - und ist kraftvoll. Für mich wirkt er im wahrsten Sinne des Wortes klassisch. Müllers können aber auch ganz anders, so haben sie beispielsweise auch einen „Main Stoff“ oder „Lump 64“… Eine wahre Fruchtbombe ist nämlich ihr 2012er Bacchus Kabinett. Diese erfolgreiche Neuzüchtung treffen Sie neben Silvaner noch häufig in Franken an. Der golden leuchtende Wein duftet fast wie Brause – bitte positiv zu verstehen. Himbeerbonbons, Pfirsich und wiederum florale Aromen verführen im Duft. Geschmacklich bleibt er sehr gelbfleischig und fruchtig, und er ist mit seinen 11 % Volumenprozent ein wahres Leichtgewicht. Ob es wirklich der „Mädelswein“ ist, wie Müller sagt – das sei dahin gestellt – ich bin sicher, dass er auch eine männliche Fangemeinde findet, und zur Rotkohlpfanne mit Aprikosen – hmmh!
Franken ist nicht so ganz berühmt für seine Rotweine, aber eine Spezialität haben sie: Domina! Aber es gibt auch einige exzellente Spätburgunder. Der 2012er Spätlese trocken zeigt sich dunkelrot und hat einen reichen Duft wie an dunkle Beeren und dunkle Schokolade erinnernd. Im Mund spüren Sie, dass er noch jung ist, er wirkt sehr frisch, etwas fleischig und im Nachhall zeigt er Blaubeeren ohne Ende!
Das Weingut Max Müller I.
klingt schon irgendwie anders, sich selber sehen sie als Weinfreaks. Dem kann ich nichts hinzufügen, die beiden Söhne Toni und Christian sind genauso weinbegeistert wie ihre Eltern Moni und Rainer und Schwester Michi. Im Einklang mit dem wunderschönen alten Gemäuer haben sie um eine elegante Vinothek erweitert.

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